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An anderer Stelle habe ich zu Hören und Sehen (auditive und visuelle Wahrnehmung) geschrieben. Beide sind wichtig für das schulische Lernen, damit die Inhalte überhaupt im Gehirn ankommen und verarbeitet werden können.

Viel früher muss sich allerdings die taktile Wahrnehmung, das Empfinden ausbilden, da dies den direkten Kontakt zur Umwelt darstellt. Erst wenn ein Kind sich von der Umwelt abgrenzen kann, indem es spürt, was innerhalb des eigenen Körpers und was außerhalb (an der Haut) stattfindet, kann es ein Gefühl für sich entwickeln, kann lernen, die Umwelt zu begreifen und sich davon abzugrenzen.

Über die Haut spüren wir Berührung, welche dem Wohlbefinden dient. Können durch Streicheln, aber auch Schläge o.ä. , kommunizieren, und so einen direkten Bezug zu Emotionen entwickeln, das Körperbewusstsein und das Ich-Bewusstsein entdecken.

Die Haut verfügt dazu über unterschiedliche Sensoren für die verschiedenen Gefühlsqualitäten von Berührung, Druck, Strukturbeschaffenheit, Temperatur, Schmerz oder Wohlgefühl.

Diese Informationen müssen an das Gehirn weitergeleitet und interpretiert werden. Z.B. muss erkannt werden, ob ein Reiz gefährlich oder ungefährlich ist. Daher wird diese Wahrnehmung schon vorgeburtlich als erst ausgebildet und erst später mit den anderen Wahrnehmungen koordiniert.

Störungen in der Verarbeitung ihrer Berührungsempfindungen

Berührungssignale können zu schwach oder zu intensiv wahrgenommen werden. Aber auch das Erkennen der entsprechenden Körperstelle kann gestört sein. All dies führt zu fehlerhaften Deutungen und ihren Konsequenzen.

Wenn ein Kind das taktile Empfinden nicht richtig deuten kann, kann es z.B. nicht erkennen, was es in der Hand hält oder welcher Finger Kontakt hat. Demzufolge fällt auch die Bewegungskoordination schwer. Und oft verzichten die Kinder ganz auf Bewegungen, weil sie durch die Eindrücken überfordert sind (Dypraxie).

Wenn die Kinder die Signale zu wenig spüren, brauchen sie immer intensivere Reize als andere. Ihr Verhalten wirkt heftig und unkoordiniert, wodurch sie häufig anecken. Sie können sich nicht selbst kontrollieren, weil ihnen das Gefühl für sich selbst fehlt.

Spüren sie zu viel, können sie ängstlich wirken und Berührungen (auch durch Kleidung) vermeiden. Rückzug von der Umwelt droht, und die Kinder behindern sich so selbst in ihrem Forschungsdrand und beim Lernen. Kleidung kann stören. Heute ist aber auch die ungünstige Prognose für Kinder in Waisenhäusern bekannt, denen die körperliche Zuwendung, also fördernde Berührungsreize, fehlen.

Vor diesem Hintergrund ist es leicht vorstellbar, dass ein Kind mit gestörter taktiler Wahrnehmung mit sich selbst genug zu tun hat, so dass wenig Energie für einen bewussten Kontakt zur Umwelt oder für das Lernen übrig bleibt.

Ayres, J, 2002. Bausteine der kindlichen Entwicklung. Springer

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