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Lernen ist das Verarbeiten einer Vielzahl von Eindrücken, die unter unterschiedlichen Blickwinkeln wahrgenommen, jedoch nur als Gesamtergebnis offenkundig werden. Dem Erkennen geht stets die Wahrnehmung voraus, die mehr Dimensionen umfasst, als die rein kognitive Ebene (Meyer-Drawe, 2008, S. 116ff).

Daher sollten stets die physiologischen Bedingungen berücksichtigt (S. 120f) und dem Lernprozess ein genügendes Ausmaß an Zeit zugestanden werden. Schließlich bedeutet Lernen auch, dass Neues nach eigenem Bedürfnis und Fähigkeiten an Bekanntes anknüpft (S. 130ff).

Dabei stellt sich aber auch die Frage nach der Auswahl der zugrundeliegenden Informationen. Stets befindet sich etwas im Blickfeld, besteht eine Geräuschkulisse, berührt etwas die Haut oder den Körper, der durch die Eigenwahrnehmung in der Balance gehalten wird, ohne dass umfangreiche Prozesse ablaufen. Erst, wenn etwas unsere Aufmerksamkeit erregt, wenden wir uns dem zu und beginnen, uns gedanklich damit zu beschäftigen.

Aufmerksamkeit äußert sich dabei in erster Linie durch einen ungerichteten Zustand aus Wachsamkeit und Entscheidungsbereitschaft, ohne bereits die Bedeutung der Wahrnehmungen zu erfassen (S. 120ff). Ein Richten der Aufmerksamkeit auf etwas erfordert aber auch eine emotionale Hin-Orientierung und kann nicht erzwungen werden (S. 124f).

Zum Problem wird dies, wenn die Wahrnehmungsfunktionen beeinträchtigt sind. Die Signale der Umwelt erreichen die wichtigen (auch unbewussten) Schaltstellen im Gehirn nicht, das Kind wirkt unaufmerksam und unkonzentriert, und kann nicht am allgemeinen Lernprozess teilhaben. Wird es dafür noch getadelt, gerät es zusätzlich unter Stress, der sich in der Regel negativ auswirkt.

Wichtig ist also eine frühe Überprüfung der Wahrnehmungsfunktionen, die über die regulären funktionalen Überprüfungen hinaus geht, und bei Bedarf eine entsprechende Förderung, die auf möglichst tiefer Ebene ansetzen sollte.

Goddard (2004) schreibt hierzu, dass sich Nervenzellen in Abhängigkeit von Reizen ausbilden, oder eben nicht ausbilden, wenn die Reize nicht zeitgerecht oder ausreichend erfolgen. Die Ursache für individuelle Lernprobleme kann also, trotz generell vergleichbarer Abläufe der Hirnreifung, im Einzelfall von zugrunde liegenden Modellen abweichen.

Ausschlaggebend für das Lernen sind aber auch die mit den Erfahrungen verbundenen Emotionen oder der Bezug zur eigenen Lebenswelt, welche dafür sorgen, dass die Erfahrungen im Gedächtnis abgespeichert und erinnert werden, wobei auch das Erinnern meist mit Emotionen verbunden ist (Krebs & Brown, 2006, p. 111f).

Auf die Bedeutung der einzelnen Wahrnehmungsfunktionen werden noch folgende Beiträge eingehen.

 


 

Goddard, S., 2004. Greifen und BeGreifen. Kirchzarten: VAK Verlags GmbH.

Krebs, C. & Brown, J., 2006. Lernsprünge. Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH.

Meyer-Drawe, K., 2008. Diskure des Lernens. München: Wilhelm Fink Verlag.

Weitere Literatur …

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