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Goodheart beobachtete das Zusammenspiel zwischen Muskeln (Agonist und Antagonist), deren Gleichgewicht ausschlaggebend für Körperhaltung und Bewegung ist (Thie & Thie, 2006, p. 33). Dabei erkannte er, dass sich Reaktionen der Muskeln durch Anwendung verschiedener Techniken verändern können und entwickelte daraus den kinesiologischen Muskeltest, der dazu dient, das Biofeedback des Körpers in Form der Reaktion auf eine Situation oder einer Stressauslöser einzuholen. Hierbei geht es jedoch weniger um das Testen von Kraft, Stärke oder Verletzungen, sondern um das Beobachten des Muskels als Indikator, so dass die Bezeichnung Muskeltest eigentlich irreführend ist. Dennoch ist der Muskeltest das zentrale Werkzeug einer kinesiologischen Sitzung.

Eingebunden in einen Zielfindungsprozess und in eine klientenorientierte Gesprächsführung gibt er zu spezifischen Fragestellungen Auskunft über stressbehaftete Situationen und Informationen des Unterbewusstseins. Die veränderte Muskelkontrolle ist dabei vergleichbar dem Gefühl des Nachgebens der Knie, wenn man aus großer Höhe nach unten schaut. Im Rahmen einer Balance mittels Begleitender Kinesiologie sollen somit der eigene Blick geklärt, Probleme in einen anderen Kontext getragen, Blockierungen aufgespürt und aufgelöst und individuelle Lösungswege gefunden werden (Keding, 2008, p. 18).

Auf körperlicher Ebene zeigt der Muskeltest die Reaktion eines Muskels auf einen bestimmten Reiz oder eine bestimmte Situation. Oft wird der Test am leicht zugänglichen Deltoideus Anterior (Muskel, der vorn an der Schulter verläuft) durchgeführt, indem der Klient seinen Arm in Schulterhöhe ca. 45° nach vorn streckt, der Tester mit einer Hand die beteiligte Schulter des Klienten stabilisiert und ankündigt, dass er nun testen wird. Dann drückt der Tester mit gleichbleibendem, leichtem Druck (der ca. 60 g entspricht) für 2-3 Sekunden leicht oberhalb des Handgelenkes auf den ausgestreckten Arm der Testperson. Bleibt der Arm bzw. Muskel beim Testen in seiner Position (hält), besteht bei der aktuellen Fragestellung kein Stress oder die Antwort des Unterbewusstseins auf eine vorherige Fragestellung lautet „Ja“. Gibt er nach (hält nicht), besteht irgendeine Art von Stress oder die Antwort auf die Fragestellung lautet „Nein“ (Thie & Thie, 2006, p. 49f).

Auf Muskelebene erfolgt diese Kontrolle über das Zusammenspiel der flüssigkeitsgefüllten Kapseln am Übergang vom Muskel zur Sehne (Golgi-Sehnenorgane) und zu den Spindelzellen des Muskels. Das Zentralnervensystem (ZNS) erkennt Veränderungen der Muskelspannung und sendet beim Erreichen einer Schwelle ein Signal an die Golgi-Sehnenorgane, um den Muskel abzuschalten, während es gleichzeitig den oder die Antagonisten des Muskels einschaltet, wodurch letztendlich die Muskelspannung nachlässt (Krebs, 2003, p. 6f). Eine willentliche, bewusste Kontrolle dieser unterbewussten Reaktion ist dabei kaum möglich (Krebs & Brown, 2006, p. 59f), sondern der Muskeltest ist ein Feedback des Körpers und des Unterbewusstseins auf einen bestimmten Reiz in einer bestimmten Situation innerhalb der aktuellen Rahmenbedingungen. Der Muskeltest darf also nur als Hinweis interpretiert werden, um Stress auf eine Situation aufzuspüren, nicht aber als Hilfestellung zu einer konkreten Entscheidungsfindung (wie z.B. Lottozahlen oder innerhalb einer Diagnostik) dienen (Dennison & Dennison, 2008, p. 18).

Das Noticing kann ergänzend angewendet werden, um den Klienten noch direkter einzubeziehen, indem nach dessen konkreten Empfindungen in Bezug auf eine Fragestellung gefragt wird und dabei die Umgebung, aber auch der eigene Körper, in der gegebenen Situation bewusst über alle Sinne wahrgenommen wird. Es handelt sich hierbei jedoch um eine bewertungsfreie Beobachtung, ohne Vergleich mit bekannten Erfahrungen und Wahrnehmungen durch das Bewusstsein und dient lediglich zum Vergleich des Körpergefühls vor und nach einer kinesiologischen Balance (Dennison & Dennison, 2004, p. 12ff).

 

aus der Reihe: Kinesiologie

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Dennison, P. & Dennison, G., 2008. Lernen mit dem ganzen Gehirn. Ventura: Edu Kinesthetics.

Keding, C., 2008. Die wundersame Welt des Muskeltests. Zürich: Oesch Verlag.

Krebs, C. T., 2003. Wieso der Muskeltest funktioniert. Erklärungsmodell und physiologische Grundlagen. Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH.

Krebs, C. & Brown, J., 2006. Lernsprünge. Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH.

Thie, J. & Thie, M., 2006. Touch for Health. Kirchzarten: VAK Verlags GmbH.

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