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Aus der Applied Kinesiologie (Krebs & Brown, 2006, p. 45ff) entwickelte sich zunächst Touch for Health, indem John Thie verschiedene Muskeln den energetischen Bahnen (Meridianen) der traditionellen Chinesischen Medizin, und den daran gekoppelten Emotionen, zuordnete. Der Schwerpunkt des Touch for Health liegt somit auf der körperlichen Haltung des Menschen, die durch chronische Muskelanspannungen aufgrund von andauerndem Stress verschoben sein kann (Thie & Thie, 2006, p. 31f). Eine Touch for Health-Balance versucht nun, den Muskeltonus durch verschiedene Maßnahmen oder Techniken zu bearbeiten, um das körperliche und seelische Gleichgewicht wieder herzustellen.

Paul Dennison entwickelte die Edu-Kinestetik, deren Fokus auf dem Lernen durch Bewegung liegt. Grundlage ist die Erkenntnis, dass Körpererfahrungen die Basis für kognitives Lernen sind, und dass eine nicht ordnungsgemäße Koordination der Gehirnaktivitäten oft mit Lernschwächen einhergeht. Seine ersten Beobachtungen in den 1970ern ergaben, dass Hand-Auge-Koordination, Augenbewegungen über die Körpermittellinie, Dominanzprofile[1] (Hannaford, 2008b) und körperliche Beweglichkeit entscheidenden Einfluss auf die Lernfähigkeit eines Kindes haben (Dennison & Dennison, 2005, p. 6f). Unter dem Namen BrainGym® entstand daraus ein Programm mit 26 Übungen in Anlehnung an verschiedene westliche und östliche Bewegungsformen (Dennison & Dennison, 2010, p. 122ff). Diese Bewegungen vollziehen zum Teil die natürliche Bewegungsentwicklung nach, fördern die Überkreuzung der Körpermittellinie um nach kinesiologischem Modell beide Hirnhälften zu verbinden und wollen so die Entwicklung altersgerechter Hirnentwicklung unterstützen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Module, die sich mit weiteren, das Lernen betreffenden Themen auseinandersetzen, wie z.B. Erkenntnisse über die bevorzugte Nutzung der linken (eher logischen) oder der rechten (eher kreativen Hirnhälfte). Auch die Kombinationen der Dominanz eines Auges, eines Ohres, einer Hand oder eines Fußes führen nach dem Modell der Edu-Kinestetik zu unterschiedlichen Lernprofilen. Ziel ist zum Einen die Integration, also eine optimale Nutzung jeweils beider Hirnhälften, aber auch die Kenntnis des eigenen Profils, um geeignete persönliche Lernstrategien entwickeln und einsetzen zu können (Hannaford, 2008b). Obwohl auch die Edu-Kinestetik das Prinzip individueller Balancen vorsieht, wird sie häufig unspezifisch genutzt, indem nur bestimmte Bewegungen ausgewählt und allein oder innerhalb einer Gruppe durchgeführt werden (Beigel, 2004, p. 202ff).

Eine dritte Ausrichtung der Begleitenden Kinesiologie ist das emotionale Stressmanagement nach Three-In-One-Concepts (früher One Brain System), welches die meisten Lernprobleme als Blockade emotionalen Wachstums ansieht und auf ungelöste Emotionen zurückführt (Krebs & Brown, 2006, p. 58). Diese Methode will den Klienten mittels gründlicher Gesprächsführung zum Erkennen eigener Gefühlslagen und zu Rückschlüssen auf mögliche Auslöser hinderlicher Verhaltens- und Überzeugungsmuster führen. Als unterstützende Maßnahme werden Übungen aus dem Touch for Health, der Edu-Kinestetik und anderer Richtungen, sowie methodeneigene Entwicklungen verwendet, die den Klienten zum Erkennen seines Potenzials führen. Häufig werden darüber hinaus Metaphern oder Affirmationen eingesetzt, anhand derer der Klient eigenes ungünstiges Verhalten erkennt oder positive Impulse für die Zukunft entnehmen kann. Das Ziel des Balance-Prozesses ist eine Neubewertung, so dass zukünftigen Entscheidungen ohne unterbewusste Einbeziehung schmerzhafter Ereignisse ein größerer Handlungsspielraum zur Verfügung steht, eben die „Integration von Körper, Geist und Seele“ (Stokes & Whiteside, 2006, p. 12).

Der Berufsverband der Kinesiologen (DGAK) erwähnt neben der Begleitenden auch die Medizinisch-therapeutische Kinesiologie (DGAK, o. D.), die gesundheitliche Aspekte in den Vordergrund rückt und entsprechendem Fachpersonal vorbehalten ist. Allen Ausrichtungen sind aber zwei Dinge gemeinsam: der Bezug auf das Dreieck der Gesundheit und der kinesiologische Muskeltest, ggf. in Verbindung mit dem sogenannten Noticing.

[1] Ausgehend von der dominanten Hirnhälfte, der dominanten Hand und dem dominanten Fuß, aber auch der dominanten Sinnesorgane Auge und Ohr empfehlen sich Lernstile. Aber auch Positionen im Klassenraum und förderliche BrainGym®-Übungen.

 

aus der Reihe: Kinesiologie

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Beigel, D., 2004. Flügel und Wurzeln. Dortmund: verlag modernes lernen Borgmann KG.

Dennison, P. & Dennison, G., 2010. Brain-Gym® – Das Handbuch. Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH.

Dennison, P. & Dennison, G., 2005. Edu-Kinestetik für Fortgeschrittene (5. Auflage). Damme: Institut für Kinesiologische Lernförderung.

DGAK, o. D. Medizinisch-therapeutische Kinesiologie. [Online] http://www.dgak.de/eip/pages/med-therap-kinesiologie-mtk.php
[16 08 2015].

Hannaford, C., 2008b. Mit Auge und Ohr, mit Hand und Fuß. Kirchzarten: VAK Verlags GmbH.

Krebs, C. & Brown, J., 2006. Lernsprünge. Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH.

Stokes, G. & Whiteside, D., 2006. Tools of the Trade. Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH.

Thie, J. & Thie, M., 2006. Touch for Health. Kirchzarten: VAK Verlags GmbH.

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