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  • Veränderung erfolgt durch viele verschiedene Puzzleteile
  • auch Ursachen außerhalb der Schulmedizin abklären
  • Neurologische Voraussetzungen überprüfen
  • viele Standardtherapien werden durch neurophysiologische Entwicklungsförderung verkürzt oder überflüssig

Wirkungsvolle Hilfe kann nur erreicht werden, wenn systematisch vorgegangen wird. Ausgehend vom tiefsten Entwicklungspunkt ab dem irgend etwas schief gelaufen ist. Darauf aufbauend können die nächsten Stufen erfolgen.

Alles auf einmal überfordert die Kinder eher als dass es nützt, und manches wird überflüssig, wenn einmal die Voraussetzungen der früheren Entwicklungsschritte da sind.

Hier eine Sammlung, die vielen geholfen hat, aber keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Wahrscheinlich bringt auch nicht jede Maßnahme in jedem Fall die gleichen Erfolge. Daher soll diese Auflistung im wesentlichen Denkanstoß sein. Neue Methoden werden gern ergänzt.

Manualtherapie

KISS-Behandlung, Osteopathie

Entwicklung (nur Reflexe)

INPP, Päpki

Kinesiologie (ganzheitlich)

BrainGym (Edu-Kinestetik), Touch for Health, 3in1 Concepts, Entwicklungskinesiologie

auditiv

AVWF, Johansen, Tomatis, Warnke

visuell

Prismenbrille
Visualtraining

Was nicht hilft

Unnütz ist es, die Kinder ständig auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen und sie zu kritisieren. Bei anderen können sie Falschverhalten nämlich sehr genau feststellen, es gelingt ihnen aber einfach nicht, sich an vorgegebene Konventionen zu halten. Ununterbrochenes Tadeln treibt die Kinder noch mehr in die Außenseiterrolle.

Stehen die Lernstörungen im Vordergrund, so ist stures Üben der aktuellen Lerninhalte völlig fehl am Platz, da die Ursachen der Schwierigkeiten meist in den neurologisch zugrunde liegenden Entwicklungsstufen zu finden sind. Gerade seit PISA nehmen die Skandinavischen Länder einen besonders positiven Rang ein. Bei Vergleich der Schulsysteme wird deutlich, dass hier wirklich jedem Kind eine Förderung auf der ihm angemessenen Entwicklungsstufe erfolgt.

Doch was kann man nun tun, um den Kindern wirkungsvoll zu helfen?

Erzieherische Hilfen

Die wichtigste Regel lautet: Liebe und Konsequenz.

Da die Kinder oft Probleme mit strukturierten Dingen haben, muss immer wieder darauf geachtet werden, dass die vorgegebenen Strukturen einzuhalten sind. Ein Erzieherleitsatz besagt, dass schon gesunden Kindern alles 200mal gesagt werden muss, bis es sicher sitzt. Wie oft ist dass dann erst bei ADHS-Kindern notwendig? Im täglichen Umgang sollte immer daran gedacht werden, dass das Kind nicht aus bösem Willen so ist, wie es ist, sondern nicht anders kann. Um den Kreislauf der ständigen Demotivierung durch Misserfolge zu unterbrechen sollten schon Kleinigkeiten gelobt werden, die bei anderen selbstverständlich sind, wobei die Faustregel gilt, auf einen Tadel mindestens vier Belobigungen zu geben. Ein Kind, das sich ernst genommen und einbezogen fühlt, wird es seltener nötig haben, durch Provokationen aufzufallen.

Soweit möglich, sollte das Kind beobachtet werden, um sich anbahnende Eskalationen im Vorfeld abwenden zu können, damit es nicht zur weiteren Erniedrigung und Verletzung des Selbstwertgefühles des Kindes kommt, welches es nur noch tiefer in die Rolle des Versagers treibt. Es bedarf es einiges an Fingerspitzengefühl, um das Kind nicht ständig in eine Sonderrolle geraten zu lassen, weder im positiven noch im negativen Sinne.

Spezifische Ergotherapie

Schon seit langem ist darüber hinaus der Zusammenhang zwischen der Kindesentwicklung und Bewegung bekannt. Dabei sollte die Bewegung schon im Status der Schwangerschaft beginnen, da das Ungeborene auf die Weise am besten sein Gleichgewichtssystem und seine Eigenwahrnehmung entwickeln kann. Auch später sollte dem Kind ausreichend Raum zum Toben und zur Bewegung eingeräumt werden. Doch dieser steht den Kindern heute nicht mehr in dem Umgang zur Verfügung, wie dies früher gegeben war. Erfolgt diese Schulung der Körperwahrnehmung nämlich nicht in ausreichendem Maße, muss das Kind sich die erforderlichen Reize durch ein erhöhtes Ausmaß an Bewegung, also Hyperaktivität, besorgen. Außerdem wird heute viel Zeit mit den verschiedensten Medien verbracht, die meistens längeres Stillsitzen erfordern.

In Studien aus den 80er Jahren wurde festgestellt, dass Kinder, die genügend Möglichkeit zum freien Spiel haben, sich von selbst die Reize suchen, die sie genau in diesem Moment am nötigsten brauchen. Manchmal hilft, dem Bewegungsdrang zu genügen, indem längere Phasen des Stillsitzens durch kleine, mit Bewegung verbundene, Aufgaben unterbrochen werden um den Bewegungsdrang in eine positive Richtung zuweisen, z.B. dem Auftrag die Tafel zu putzen, etwas zu holen, … Darüber hinaus wächst das Selbstbewusstsein mit dem Tragen von Verantwortung.

Die Konzentration kann durch geeignete Übungen verbessert werden, aber auch diese basieren im Bereich der Ergotherapie häufig auf Bewegung, um z.B. zunächst die körperlichen Grundlagen für die Konzentrationsfähigkeit zu legen oder lassen Erkenntnisse der Kinesiologie in Form von BrainGym einfließen. Das A und O ist jedoch ein gut ausgebildeter Gleichgewichtssinn.

Solange noch andere Ursachen vorliegen, können diese Maßnahmen jedoch nur in geringem Umfang Erfolge erzielen. Dem unter Ursachen erwähnten Ansatz folgend, sollten in jedem Fall KISS und persistierende frühkindliche Reflexe vorher abgeklärt werden. Sehr jungen Kindern, bei denen eine neurophysiologische Entwicklungsförderung noch nicht möglich ist, können schon von Ergotherapie profitieren, aber der wirkliche Durchbruch lässt sich meist erst nach KISS-Behandlung und neurophysiologischer Entwicklungsförderung erzielen. Ähnliches gilt für Verhaltenstherapien.

Medikamente

Sind die schulischen und psychischen Probleme des Kindes jedoch so gravierend, dass überhaupt kein geregeltes Leben mehr möglich ist und sich alles nur noch um die Auffälligkeiten des Kindes dreht, kann die Abwärtsspirale oft nur medikamentös durch Gabe von Stimulantien (z.B. Ritalin, Medikinet, Strattera, Concerta, u.a.) durchbrochen werden. Damit wird der Hirnstoffwechsel angeregt, so dass eine normale Funktion gewährleistet ist, obwohl die genauen Mechanismen hierfür noch nicht bekannt sind. Das Kind wirkt aufnahmefähiger, kann sich so besser den schulischen und häuslichen Anforderungen widmen und so erst ein geregeltes Leben mit den normalen Lern- und Erziehungsprozessen führen. Die ersten Medikamente wurden als Appetitzügler entwickelt, erst später wurden die weiteren Wirkungen entdeckt. Da die Medikamente unterschiedliche Wirkungsdauer haben, müssen die Einnahmeintervalle sorgfältig geplant sein, denn nach Abklingen der Wirkung erfolgt manchmal ein so genannter Rebound, in dem die vorherigen Schwierigkeiten um so deutlicher zutage treten.

Die Diskussion über Nebenwirkungen ist bei weitem noch nicht abgeschlossen, aber es ist davon auszugehen, dass dauerhafter Medikamentenkonsum nicht ohne Folgen bleiben kann und Erfolge sind nur in dem Zeitraum zu verzeichnen, in dem das Medikament wirkt. Dauerhaften Erfolg bringt dies hauptsächlich in psychischer Hinsicht, da die Kinder „besser“ funktionieren und ihnen damit die ständigen Negativerfahrungen durch die Umwelt und des Erkennens des eigenen Unvermögens erspart bleiben. Hiervon profitiert die Pharmaindustrie in hohem Maße und so steigt der Markt für diese Behandlungsform in den letzten Jahren stark an.

Trotz der schnellen Erfolge muss die medikamentöse Behandlung immer durch eine Therapie an den wirklichen Ursachen begleitet werden, da den Kindern irgendwann bewusst wird, dass sie sich nur unter Medikamenteneinfluss wunschgemäß verhalten können, ohne Medikamente aber die gleichen Probleme haben wie zuvor. Die Stimulantien sollten lediglich eine Brücke darstellen, bis die anderen Therapien greifen.

Neurophysiologische Entwicklungsförderung

Wie bereits erwähnt können alle zuvor genannten Methoden längerfristig nur funktionieren, wenn vorab alle möglichen Ursachen der Störungen beseitigt wurden. Daher ist es sehr hilfreich, sich Gedanken über neurologische Rahmenbedingungen zu machen und diese zu beseitigen.

Die schon oben erwähnte Forschungsgruppe hat daher schon vor einiger Zeit eine Therapieform (INPP) entwickelt, die den neurophysiologischen Aufrichtungsprozess auch bei Schulkindern nochmals nachvollzieht, die frühkindlichen Reflexe zu ihrem Höhepunkt bringt und so hilft, sie zu integrieren, wodurch die früher gespeicherten Fehler ausgelöscht werden, die die Kinder zur Kompensation ihrer Schwierigkeiten entwickelt haben.

Grundlage sind verschiedenste entwicklungsphysiologische Ansätze, die seit den 70er Jahren entwickelt wurden. Dadurch wird das Gehirn teilweise umprogrammiert (Diese Möglichkeit ist z.B. auch aus der Schlaganfallbehandlung bekannt, bei der Teile des Gehirns die Aufgaben der ausgefallenen Bereiche übernehmen) und neu strukturiert und somit die neurologische Entwicklung wieder in die richtige Richtung gebracht und es kommt zum Abklingen der Auffälligkeiten. Das Gehirn ist ein Leben lang entwicklungsfähig!

Positive Begleiterscheinung dieser Therapieform sind

  • der geringe zeitliche Aufwand (ca 10 Minuten täglich zuhause)
  • keine Bindung an regelmäßige Therapeutentermine (eine Kontrolle der Fortschritte beim Therapeuten erfolgt im 8 Wochen Rhythmus)
  • und oft eine neue Nähe zwischen Eltern und Kind in dem vorher vielfach aufgrund des ADHS beeinträchtigten Verhältnisses

Die Therapie zieht sich in der Regel über 1-2 Jahre, doch da die Durchführung der Übungen bald zur Routine wird und die Fortschritte schleichend und oft unbemerkt auftreten, hört sich dies länger an als es ist. Im Rhythmus des gerade behandelten Schwerpunktes verschwinden einzelne Problembereiche und meist ist schon nach kurzer Zeit ein Stand erreicht, der viele Lebensbereiche deutlich vereinfacht.

Begleitende Therapien sollten erst nach Ende des INPP begonnen und häufig erheblich verkürzt werden, oft sind sie gar nicht mehr nötig. Da das Kind durch sein verändertes Verhalten weniger Anlass zu Beschwerden gibt, normalisiert sich der Umgang der Umwelt mit dem Kind, so dass auch die psychischen Folgen der permanenten Ablehnung gemildert werden.

Kinesiologie

Mittlerweile gibt es unzählige kinesiologische Richtungen und Ausprägungen. Oft wird mit publikumsheischenden Methoden der schnelle Erfolg versprochen, was eher abschreckt als überzeugt.

Auch hier gilt, dass die Methode zur Ursache und zum Problem passen sollte, und es immer hilfreich ist, einen Therapeuten zu finden, der mehr als nur eine Technik beherrscht und sich flexibel an aktuellen Bedarf anpassen kann.

Bei Kindern könnte z.B. die Entwicklungskinesiologie nach Renate Wenneckes, BrainGym oder Touch for Health hilfreich sein. Eine parallele Unterstützung der Eltern (z.B auch dem 3in1 Concepts) wirkt von zwei Seiten.

Manualtherapie

Falls KISS/KIDD als Ursache der neurophysiologischen Entwicklungsstörung identifiziert werden, muss zunächst beim Fachmann eine Lösung der Blockaden nach Gutmann oder Arlen erfolgen, bevor die weitergehenden Therapien wirklich sinnvoll sind. Vom herkömmlichen Einrenken ist dringend abzuraten, da hierbei massive Schädigungen der Nervenbahnen mit schwerwiegenden Nebenwirkungen, auftreten können. Die genannten Methoden sind jedoch ungefährlich.

Und am Rande: Die Zahl vermuteten KISS-Menschen liegt bei ca 80% der Bevölkerung, so dass auch weit verbreitete Beschwerden wie Rückenprobleme, Migräne, Tinnitus u.a. ihre Ursachen in diesem Bereich haben können!

Ebenso hilfreich kann z.B. bei Geburtstraumata die Osteopathie bei einem erfahrenen Osteopathen sein.

Gezielte Therapien zur Wahrnehmungsförderung und Verbesserung der Hirnfunktionen

Bei Problemen mit der visuellen Wahrnehmung können Prismenbrillen gegen Winkelfehlsichtigkeit oder spezielle Sehtrainings helfen.

Besonders im Zusammenspiel von ADHS mit Lernstörungen konnte der Nachweis erbracht werden, dass eine unterdurchschnittliche Ausprägung der sogenannten Low-Level-Funktionen eine Rolle spielen. Dies sind untergeordnete Gehirnfunktionen, die z.B. für die „Schaltgeschwindigkeit“ des Gehirns oder verschiedenste Facetten der auditiven und visuellen Wahrnehmung erforderlich sind. Ein Training dieser Funktionen mittels geeigneter Methoden, auf die im Rahmen der Literatur-Liste hingewiesen wird, kann innerhalb weniger Monate zu einer deutlichen Verbesserung führen.

Methoden, die an der Verarbeitung gehörter Reize arbeiten sind Warnke, Tomatis, Johansen und AVWF. Das Gehirn wird zur Ausbildung neuer Nervenbahnen angeregt, so dass sich auch unerwünschtes Verhalten reduziert.

Pyrrolurie (HPU/KPU)

Untersuchungen haben ergeben, dass bei einer großen Zahl ADHSler ein kombinierter Vitamin B6 / Zink-Mangel vorliegt, wie er für die Stoffwechselstörung Pyrrolurie charakteristisch ist. Auch andere Mangelerscheinungen an Spurenelementen können gravierende Auswirkungen haben.

Die Therapie erfolgt dann durch Gabe spezieller Präparate, die den Mangel ausgleichen sollen. Ob hierdurch eine Heilbarkeit erreicht werden kann oder eine Dauertherapie durchgeführt werden muss, scheint Einzelfall abhängig zu sein.

 

Eine Heilung erfolgt sicherlich nicht nur durch eine einzelne der genannten Maßnahmen, aber durch das Zusammenspiel mehrerer Aspekte kann eine deutliche Verbesserung der Situation erreicht werden.

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